Rolls-Royce Nene

Rolls-Royce Nene Mk.II

Das Rolls-Royce Nene oder Rolls-Royce RB.41 war nach den Mustern Welland und Derwent das dritte Strahltriebwerk des britischen Unternehmens Rolls-Royce, das in Serie gebaut wurde. Das Triebwerk mit Radialverdichter wurde 1944 innerhalb von nur fünfeinhalb Monaten geplant und gebaut und absolvierte die ersten Prüfstandsläufe am 27. Oktober 1944. Es wurde in erfolgreichen britischen Flugzeugmustern wie der Hawker Sea Hawk und der Supermarine Attacker eingesetzt, bevor die Firma mit dem Avon-Triebwerk auf Axialverdichter wechselte.

Das Nene trieb das erste zivile Strahlflugzeug, eine modifizierte Vickers Viking an, die am 6. April 1948 erstmals flog.

Geschichte

Obwohl es eine direkte Entwicklung aus den Arbeiten von Frank Whittle war, wurde beim Nene ein Radialverdichter mit zwei Einläufen für eine verbesserte Kompressionsrate und damit höherer Schubkraft eingesetzt. Es hatte neun Brennkammern und eine einstufige Axialturbine und wog 750 kg. Während der Konstruktionsphase entschied Rolls-Royce, seinen Triebwerken sowohl Nummern als auch Namen zu geben, wobei der Welland und der Derwent ihre Originalnummern von Rover, B/23 und B/26 beibehielten. Später dachte man, dass diese Nummern zu sehr an Bomber erinnern würden und ergänzte das „R“ von „Rolls“, so dass die noch heute verwendeten „RB“-Nummern entstanden.

Das Nene erreichte mit etwa 22 kN die doppelte Schubkraft der Triebwerke der früheren Generation, und das bei ähnlichen Abmessungen und Grundentwurf. Es wäre durchaus möglich gewesen, die älteren Triebwerke durch das Nene zu ersetzen. Aufgrund des Alters der Gloster Meteor sah man keinen Bedarf für eine weitere Verbesserung. Stattdessen wurde eine Serie deutlich leistungsfähigerer Triebwerke auf Basis des Rolls-Royce Avon vorangetrieben. Radialverdichtertriebwerke wie das Nene liefen danach aus.

Das Nene erhielt nach Firmentradition einen Flussnamen, der gleichnamige Fluss Nene befindet sich in Ostengland.

Lizenzen und Produktion im Ausland

Die US-amerikanische Taylor Turbine Corporation baute das Triebwerk als J42-TT-2 in Lizenz. Mehrere der frühen US-Trägerflugzeuge wie die Grumman F9F Panther wurden mit diesem Triebwerk ausgerüstet. Später wurde die Lizenz an Pratt and Whitney weiterverkauft, die gemeinsam mit Rolls-Royce eine Version mit Wassereinspritzung entwickelten, das J-48.

Das Triebwerk wurde auch in Frankreich, China und Australien in Lizenz gebaut. In Australien wurde damit die De Havilland Vampire der RAAF ausgerüstet.

Sowjetunion

Bis November 1947 ließ die Labour-Regierung von Clement Attlee insgesamt 55 Strahltriebwerke (30 Derwent 5, 20 Nene 1 und fünf Nene 2) an die Sowjetunion liefern, nachdem im Dezember 1946 eine sowjetische Delegation, unter anderem mit Artjom Mikojan, auf Einladung der britischen Regierung die Rolls-Royce-Triebwerksfertigung besichtigt hatte.

Die erhaltenen Triebwerke wurden bei Prototypen wie zum Beispiel der Tupolew 78 und 79 verwendet, anschließend kam es durch Reverse Engineering auch zur Fertigung von unlizenzierten Nachbauten wie dem Klimow RD-45 und dem leistungsstärkeren Klimow WK-1. Diese Triebwerke wurden in großen Serien hergestellt und in mehreren sowjetischen Jagdflugzeugen verwendet, so beispielsweise auch in der MiG-15, eines der seinerzeit besten Jagdflugzeuge der Welt.

Technische Daten

Commons: Rolls-Royce Nene – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Antony L. Kay: Turbojet – Volume 2, History and Development 1930–1960, Crowood Press, 2007, S. 44 f.
  2. Paul Duffy, A. I. Kandalov: Tupolev: The Man and His Aircraft Ausgabe 173 von Reference Series, Verlag SAE, 1996, ISBN 978-1-56091-899-8, Seite 102
  3. Revisiting the ‘Nene Blunder’: Western Aviation Technology Transfers to China, ETH Center for Security Studies,
Strahltriebwerke (Turbojets) der US-Streitkräfte

J30 | J31 | J32 | J33 | J34 | J35 | J36 | J37 | XJ38 | J39 | J40 | J41 | J42 | J43 | J44 | J45 | J46 | J47 | J48 | J49 | J51 | J52 | J53 | J54 | J55 | J56 | J57 | J58 | J59 | J60 | J61 | J63 | J65 | J67 | J69 | J71 | J73 | J75 | J79 | J81 | J83 | J85 | J87 | J89 | J91 | YJ93 | J95 | J97 | J99 | J100 | YJ101 | J102 | J400 | J401 | J402 | J403 | J700

Siehe auch: Mantelstromtriebwerke der US-Streitkräfte

Liste der Flugzeugtriebwerke des Herstellers Rolls-Royce
Hubkolben-Flugmotoren (Reciprocating Aircraft Engines)

HawkEagleFalconCondorKestrelBuzzardRGriffonGoshawkExePeregrineVultureMerlinCrecyPennineEagle 22

Turbinenluftstrahltriebwerke / TL-Triebwerke (Turbojet)

WellandDerwentNeneAvonOlympusTay (RB44)Soar (RB82)Thames (RB106)RB108RB162RB189

Zweistromtriebwerke / ZTL-Triebwerke (Turbofan)

Conway (RB80)Spey (RB163)Pegasus (BE53)RB168RB178Tay (RB183)RB199Trent (RB203)AdourRB211RB401BR700AE 3007F136

Propellerturbinentriebwerke / PTL-Triebwerke (Turboprop)

Trent (RB50)Clyde (RB39)Dart (RB53)Tyne (RB109)501-D (T56)AE 2100

Wellenturbinentriebwerke / WTL-Triebwerke (Turboshaft)

GnomeGem (BS.360/RS.360)250 (T63)T406 (AE 1107C-Liberty)MTR390RTM322RR300RR500

Flugzeugtriebwerke des Herstellers Pratt & Whitney bzw. Pratt & Whitney Canada
Sternmotoren

R-985R-1340R-1535R-1690R-1830R-1860R-2000R-2060R-2180-AR-2180-ER-2270R-2800R-4360

H-Motoren

X-1800/XH-2600XH-3130XH-3730

Strahltriebwerke

JT3CJT4JT6JT7JT8AJT9JT11JT12J-42J-48J-52J-57J-58J-60J-75J-91

Mantelstromtriebwerke

GP7200JT3DJT8BJT9DJT10JT10AJT10DJT15DJTF14JTF16JTF17JTF22PW180PW300PW500PW600FPW800PW1000GPW1120PW2000PW4000PW5000PW6000V2500F100F105F117F119F135F401TF30TF33

Turboproptriebwerke
und Wellenturbinen

APW34PT2PT3PT4PT6PT6TPW100PW200T34T52XT54T73T800-APW

Gasturbinen

GG3/FT3GG4/FT4FT8