Zypressen

Zypressen

Zweig mit Zapfen der
Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)
Unterfamilie: Cupressoideae
Gattung: Zypressen
Wissenschaftlicher Name
Cupressus
L.

Die Zypressen (Cupressus) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). In einigen Landschaften sind die Zypressen prägend für die Kulturlandschaft, etwa die Mittelmeer-Zypresse in der Toskana.

Beschreibung

Illustration aus Bulletin of the U.S. Department of Agriculture, 1913–1923 der Arizona-Zypresse (Cupressus arizonica) Zapfen von Cupressus glabra Illustration aus Bulletin of the U.S. Department of Agriculture, 1913–1923 von Cupressus glabra

Vegetative Merkmale

Cupressus-Arten sind immergrüne, verholzende Pflanzen, die als Bäume oder Sträucher wachsen. Die Wuchsformen der Zypressen-Arten und -Kulturformen variieren von verzwergt bis hoch, von hängend bis säulenförmig, von hochkronig bis ausladend. Ihr schnelles Wachstum und das dichte Laub machen sie zu einem geeigneten Windschutz. Sämlinge besitzen zwei bis fünf Keimblätter (Kotyledonen).

Die schuppenförmigen Blätter stehen kreuzgegenständig in vier Reihen an den Zweigen.

Generative Merkmale

Cupressus-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), bilden also männliche und weibliche Zapfen auf einem Exemplar. Die männlichen Zapfen besitzen vier bis zehn Paare Sporophylle. Jedes Sporophyll trägt drei bis zehn Pollensäcke. Die weiblichen kugeligen bis eiförmigen Zapfen benötigen etwa zwei Jahre bis zur Reife, sie bleiben aber oft viele Jahre geschlossen, bis sie sich durch Feuereinwirkung öffnen. Die 8 bis 43 Millimeter großen Zapfen besitzen meist drei bis sechs (zwei bis sieben) Paare dicker, holziger Zapfenschuppen. Jede Zapfenschuppe trägt je nach Art 3 bis 20 Samen. Die Samen besitzen zwei Flügel.

Geschichte

Der 12 bis 15 Millionen Jahre alte Fund einer Taxodioxylon germanicum, nahe Verwandte der Taxodium distichum, im Braunkohletagebau Garzweiler belegt das dortige Vorkommen der Zypressen während des Miozän.

Nach dem Rückgang der Vereisung des Holozän sollen Zypressen erst wieder von den Phöniziern aus Asien nach Europa gebracht und zuerst in Zypern angepflanzt worden sein. In der Antiken Mythologie ist die Zypresse ein Symbol und Attribut vieler Gottheiten, sie steht für die Unterwelt, symbolisiert Langlebigkeit und wird seit jeher mit Tod und Trauer verbunden. Wie viele immergrüne Pflanzen wird sie als Ausdruck der Trauer zur Friedhofsbepflanzung verwendet.

Mittelmeer-Zypressen (Cupressus sempervirens) werden seit der Antike kultiviert. Sie sind, wie der botanische Artname sagt, immergrüne Nadelbäume (sempervirens bedeutet „immergrün“), die in ihrer Jugend rasch, mit zunehmendem Alter immer langsamer wachsen. Die der Gattung zugeordneten Arten und ihre zahlreichen Kulturformen vertragen Kälte nur eingeschränkt.

Im Mittelmeerraum und in Vorderasien ist es schwer zu unterscheiden, welche Arten hier ursprünglich waren: Zypressenarten wurden bereits während des Römischen Reichs an verschiedenen Standorten angepflanzt.

Systematik, Botanische Geschichte und Verbreitung

Die Gattung Cupressus wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Der Gattungsname Cupressus (von lateinisch cupressus und cypressus in der Bedeutung „Zypresse) leitet sich vom griechischen Wort κυπαρισσος kyparissos ab.

Cupressus-Arten findet man in allen warmen Klimazonen der Nordhalbkugel, so im westlichen Nordamerika sowie in Zentralamerika, im nordwestlichen Afrika, dem Nahen Osten, im Himalaja, im südlichen China sowie dem nördlichen Vietnam.

Die Anzahl der Arten, die dieser Gattung Cupressus zugeordnet werden, variiert je nach Autor von 16 bis 33. Die meisten Populationen sind sehr klein sowie isoliert und es ist schwierig zu unterscheiden, ob eine einzelne Population als Art oder Subtaxon einzuordnen ist. Einige Autoren stellen nur die Arten der Alten Welt, also die der Subgenus Cupressus, zur Gattung Cupressus s. str. Adams, Bartel & Price stellten 2009 die Arten der Neuen Welt in die neue Gattung Hesperocyparis.

Die Gattung Cupressus s. l. wird in vier Untergattungen gegliedert und enthält etwa 25 Arten:

Inhaltsstoffe

Aus den Blättern und den jungen Zweigen wird durch Wasserdampfdestillation das ätherische Öl gewonnen. Die Droge wird als Zypressenöl oder als Oleum Cupressi bezeichnet. Das Zypressenöl enthält Camphen, Cedrol, Furfural, Pinen, Sempervirol, Sylvestren und Terpineol.

Wirkungen

Das ätherische Öl wirkt desinfizierend, fiebersenkend, harntreibend, insektenvertreibend, krampflösend, schweißtreibend und wundheilend. Außerdem wirkt es ausgleichend auf das Nervensystem und gefäßverengend.

Zypressen sind nicht heimisch in Deutschland. Sie enthalten nicht nur Gifte, wie einige einheimische Pflanzen, sondern geben ihre Giftstoffe auch nach außen ab. Die Inhaltsstoffe dienen neben dem typischen Geruch auch als Fraßgift, als Parasitengift sowie als Gift- und Kontakt-Stoffe zu anderen Pflanzen in und um sie. Die einheimische Flora und Fauna wird von Zypressen abgestoßen bzw. kaum involviert. Gleichzeitig beherbergen Zypressen Pilzarten, die andere Pflanzen befallen und schädigen. Gerade in der Nähe von Obstpflanzen sollten sie nicht anwesend sein.

Leyland-Zypresse (Cupressus ×leylandii) (Cupressus macrocarpa × Cupressus nootkatensis)

Nutzung

Viele Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen in Parks sowie Gärten verwendet und in Asien um Tempel gepflanzt. In Mitteleuropa sind an klimatisch bevorzugten Standorten nur wenige Arten ausreichend frosthart. Dazu gehören die Arizona-Zypresse (Cupressus arizonica) und die Siskiyou-Zypresse (Cupressus bakeri), die den entsprechenden Winterhärtezonen (WHR) 7b, 7b und 8a zugerechnet werden.

Einige Arten, wie etwa die Monterey-Zypresse, werden auch wegen ihres Holzes angebaut.

Die schnellwachsende Hybride Leyland-Zypresse (Cupressus ×leylandii A.B.Jacks. & Dallim.), die vor allem in Großbritannien häufig in Gärten angepflanzt wird, ist eine Kreuzung zwischen der Monterey-Zypresse (Cupressus macrocarpa Hartw.) mit der Nootka-Scheinzypresse (Cupressus nootkatensis D.Don), auch Alaska-Zeder genannt. Die Eltern dieser Hybride werden je nach Autor in unterschiedliche Gattungen gestellt; es handelt sich dann um eine intergenerische Hybride. Es gibt mehrere Synonyme wie Callitropsis ×leylandii (A.B.Jacks. & Dallim.) D.P.Little, ×Cupressocyparis leylandii (A.B.Jacks. & Dallim.) Dallim. und ×Hesperotropsis leylandii (A.B.Jacks. & Dallim.) Garland & Gerry Moore.

Aus den nadelförmigen Blättern, Trieben und Zapfen (lateinisch Galbulae Cupressi) gewinnt man das Zypressenöl, das in der Homöopathie zur Behandlung von Kopf- und Gelenkschmerzen verwendet wird, außerdem in der Kosmetik- und Parfümindustrie. Extrakte aus Rinde, Zapfen und Holz wurden als Adstringens, gegen Diarrhoe, Bronchitis und Würmer, äußerlich gegen Varizen und Hämorrhoiden verwendet.

Das Bauholz der Zypresse ist hart, dichtfaserig, von feiner rötlicher Farbe und sehr haltbar. Während der Antike wurde es für Pfosten, Dachsparren, Balken und für die Konstruktion von Weinpressen, Tischen und Musikinstrumenten verwendet und war in dieser Hinsicht so wertvoll, dass eine Zypressenplantage als zureichende Mitgift für eine Tochter galt. Als Tonholz im Gitarrenbau fördert die Struktur der Zypresse eine brillante und gleichzeitig transparente Schallabstrahlung bei geringem Materialgewicht und wird daher bei traditionellen Flamencogitarren bevorzugt für den Schallkörper der Gitarre verwendet.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an Christopher J. Earle: Cupressus bei der The Gymnosperm Database. 2019.
  2. Ulrich Lieven, Fossilien-Experte Tagebau Garzweiler: Baum aus der Urzeit im Tagebau Garzweiler geborgen. 12 bis 15 Millionen Jahre alte Zypresse entdeckt. Fossiler Stamm dient Forschungszwecken und Museumsbesuchern. In: rwe.com. RWE AG, 30. Juni 2011, archiviert vom Original am 4. Juli 2011; abgerufen am 24. Juli 2021 (Pressemitteilung). 
  3. Colin Tudge: The secret life of trees. Penguin Books, London 2006, ISBN 0-14-101293-5, S. 106.
  4. Vgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 140 f-.
  5. Aljos Farjon: A Handbook of the World’s Conifers. Band 1. Brill, Leiden/Boston 2010, ISBN 90-04-17718-3, S. 290–316. 
  6. a b c d e f g h Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2: Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  7. a b c d e f Liguo Fu, Yong-fu Yu, Robert P. Adams Aljos Farjon: 5. Cupressus Linnaeus, Sp. Pl. 2: 1002. 1753. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 4: Cycadaceae through Fagaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1999, ISBN 0-915279-70-3, S. 65–66 (efloras.org – textgleich online wie gedrucktes Werk).
  8. Colin Tudge: The secret life of trees. Penguin Books, London 2006, ISBN 0-14-101293-5, S. 105.
  9. a b Cupressus. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 22. März 2019..
  10. Peter A Schmidt, Bernd Schulz (Hrsg.): Fitschen. Gehölzflora. 13., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2017, ISBN 978-3-494-01712-9, S. 492.
  11. Antje Frers: Zypressengehölze im Garten. (PDF; 166 kB) In: lksh.de. Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Abteilung Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Umwelt, 27. Februar 2017, S. 2, archiviert vom Original am 11. Juni 2017; abgerufen am 24. Juli 2021 (Die Sporen des Birnengitterrostes werden durch Insekten auf Birnenblätter übertragen.). 
  12. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 143.
  13. Andrés Batista: Maestros y estilos. Manual Flamenco. Madrid 1985, S. 8
  14. textgleich online wie gedrucktes Werk

Weblinks

Commons: Zypressen (Cupressus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Wiktionary: Zypresse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Weiterführende Literatur