Vom Sinn und Unsinn von Gehirntraining

Zukunftsperspektiven in der Wissenschaft

Einführung

Gehirntraining ist seit einigen Jahren ein sehr beliebtes Thema geworden. Viele Menschen glauben, dass sie ihr Gehirn durch spezielle Übungen und Aktivitäten trainieren können, um ihr Gedächtnis zu verbessern, kognitive Fähigkeiten zu steigern und sogar das Risiko von Alzheimer oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu reduzieren. Doch was sagt die Wissenschaft über den Sinn und Unsinn von Gehirntraining? In diesem Artikel werden wir verschiedene Aspekte von Gehirntraining untersuchen und herausfinden, ob es wirklich etwas bringt oder nicht.

Was ist Gehirntraining?

Gehirntraining bezieht sich auf eine Vielzahl von Aktivitäten und Übungen, die darauf abzielen, das Gehirn zu aktivieren und zu stimulieren. Dazu gehören beispielsweise Gedächtnisspiele, Rätsel, IQ-Tests oder auch spezielle Apps oder Programme, die für Smartphone oder Computer verfügbar sind. Die Idee dahinter ist, dass durch diese Aktivitäten bestimmte Regionen im Gehirn wie das Arbeitsgedächtnis oder die Aufmerksamkeit verbessert werden, was verschiedene Vorteile hervorrufen soll, wie eine verbesserte kognitive Funktion im Alltag oder eine bessere Arbeitsleistung.

Was sagt die Wissenschaft?

Obwohl Gehirntraining sehr beliebt ist, gibt es nicht viele wissenschaftliche Beweise dafür, dass es tatsächlich einen Nutzen bringt. Eine Reihe von Studien hat jedoch gezeigt, dass bestimmte Arten von Gehirntraining scheinbar Vorteile für die kognitive Funktion haben können. Eine Studie von 2010, veröffentlicht in der Zeitschrift "PNAS", fand zum Beispiel heraus, dass ältere Menschen, die regelmäßig Gehirntraining durchführten, ein geringeres Risiko hatten, im Verlauf der nächsten fünf Jahre eine Demenz zu entwickeln. Eine andere Studie von 2014, veröffentlicht in der Zeitschrift "Frontiers in Aging Neuroscience", zeigte, dass ein spezielles Arbeitsgedächtnistraining die kognitive Funktion bei älteren Erwachsenen verbesserte und auch dazu beitragen konnte, dass sie im Alltag besser zurechtkamen. Allerdings gibt es auch Studien, die keinen klaren Nutzen von Gehirntraining gefunden haben. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016, veröffentlicht in der Zeitschrift "Journal of Neuroscience", fand heraus, dass während einige Arten von Gedächtnistraining kurzfristige Vorteile hatten, diese Vorteile nicht anhielten, nachdem die Teilnehmer aufgehört hatten, das Training durchzuführen.

Warum ist es schwierig, den Nutzen von Gehirntraining zu messen?

Ein wichtiger Faktor bei der Bewertung des Nutzens von Gehirntraining ist die Schwierigkeit, objektive Messungen durchzuführen. Kognitive Fähigkeiten und mentale Prozesse sind komplexe Phänomene, die schwer zu quantifizieren sind. Einige Faktoren können jedoch die Messung der Vorteile erschweren:
  • Es ist schwierig, die Verbesserung der kognitiven Funktion von anderen Faktoren zu unterscheiden, wie z.B. der Wirkung von sozialer Interaktion oder gesunder Ernährung.
  • Es ist schwierig, die Gehirnaktivität während des Trainings zu messen und die Ergebnisse zu interpretieren.
  • Es ist schwierig, den Einfluss von individuellen Unterschieden in Alter, Geschlecht und Lerngeschwindigkeit zu berücksichtigen.
All diese Faktoren können dazu führen, dass es schwierig ist, den tatsächlichen Nutzen von Gehirntraining zu bewerten.

Wie funktioniert das Gehirntraining?

Ein wichtiger Aspekt des Gehirntrainings ist, wie es das Gehirn beeinflusst. Eine Theorie besagt, dass Gehirntraining dazu beitragen kann, dass das Gehirn seine Fähigkeit zur "Neuroplastizität" verbessert. Neuroplastizität bezieht sich darauf, wie flexibel und anpassungsfähig das Gehirn ist. Es ist bekannt, dass das Gehirn in der Lage ist, sich zu verändern und anzupassen, je nachdem, welche Art von Aktivität oder Umweltbedingungen es ausgesetzt ist. Indem man regelmäßig Gehirntraining durchführt, kann es möglich sein, dass das Gehirn seine Fähigkeit zur Neuroplastizität verbessert, was wiederum dazu beitragen kann, dass es besser in der Lage ist, neue Informationen zu verarbeiten und sich an neue Situationen anzupassen.

Fazit

Es gibt keine klare Antwort darauf, ob Gehirntraining tatsächlich einen Nutzen hat oder nicht. Obwohl einige Studien (wie oben erwähnt) scheinbar Vorteile zeigen, gibt es immer noch skeptische Stimmen und es gibt nicht genug Beweise, um dies als eine wissenschaftlich belegte Tatsache zu betrachten. Darüber hinaus können individuelle Unterschiede, schwierige Messmethoden und andere Faktoren dazu beitragen, dass es schwierig ist, den tatsächlichen Effekt von Gehirntraining zu messen. Die besten Ratschläge, die wir geben können, sind:
  • Wenn man Gehirntraining machen möchte, dann sollte man es regelmäßig tun - man kann wahrscheinlich nicht nur ein paar Wochen lang ein intensives Training durchführen und dann erwarten, dass man dauerhafte Vorteile davon hat.
  • Es kann eine gute Idee sein, verschiedene Arten von Gehirntraining auszuprobieren, um zu sehen, welche am besten für einen selbst funktionieren.
  • Man sollte es nicht als Wundermittel betrachten - auch andere Dinge wie eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und soziale Interaktion können dazu beitragen, die kognitive Funktion zu verbessern.
Insgesamt gilt also: obwohl Gehirntraining ein interessantes, aber noch immer kontroverses Thema ist, lohnt es sich, weiterhin wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen, um herauszufinden, ob es tatsächlich einen Nutzen hat.