Heutzutage ist Konsumgesellschaft ein Thema von großer Relevanz in der heutigen Gesellschaft. Seit Jahrzehnten ist Konsumgesellschaft Gegenstand von Interesse und Debatten in verschiedenen Bereichen, von der Politik bis zur Wissenschaft. Es gibt viele Aspekte rund um Konsumgesellschaft, von seinen Ursprüngen bis zu seinen globalen Auswirkungen. In diesem Artikel werden wir einige der relevantesten Aspekte von Konsumgesellschaft untersuchen und uns mit seinen vielfältigen Dimensionen und Auswirkungen heute befassen. Von seinem Einfluss auf die Wirtschaft über seine Auswirkungen auf das tägliche Leben bis hin zu seiner Beziehung zu anderen Wissensbereichen wird Konsumgesellschaft als ein Studien- und Reflexionsthema von großer Bedeutung für das Verständnis der aktuellen Welt dargestellt. In diesem Sinne werden wir einige der Ideen und Theorien analysieren, die rund um Konsumgesellschaft entstanden sind, sowie die Perspektiven und Debatten, die bis heute gültig sind.
Der Begriff Konsumgesellschaft bezeichnet in den Humanwissenschaften Gesellschaften, in denen die Befriedigung möglichst vieler Bedürfnisse nur durch Konsum gegen entsprechende Bezahlung möglich ist.[1]
Diese Begriffsbestimmung wird von einer bewertenden Verwendung flankiert. Dabei umschreibt der Begriff verschiedene Aspekte moderner Lebensstile in industrialisierten Staaten, z. T. in kritischer oder abwertender Absicht. Ähnlich verwendet werden die Begriffe Überflussgesellschaft, Wohlstandsgesellschaft oder auch Wegwerfgesellschaft. Gemeint ist damit meist eine Gesellschaft, die durch die industrielle Massenproduktion von kurzlebigen Wegwerfprodukten geprägt ist, so dass originäre Gebrauchsgüter wie Verbrauchsgüter behandelt werden. Eine zielgerichtete Werbung „legitimiert“ dieses Verhalten (z. B. durch Anreize zum Eintausch eines alten Handys gegen ein neues).
Verschiedene weltanschauliche und fachliche Standpunkte vertreten konsumkritische Sichtweisen:
Der Medien- und Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz vertritt dagegen die Ansicht, dass eine globale Konsumgesellschaft die Welt befrieden könne.
Unter „Trickle-down-Effekt“ versteht man die Durchsickerungsprozesse, bei denen sich im Falle der Konsumgesellschaft ehemalige Luxusprodukte und höherwertige Konsumgüter von den oberen auf die unteren Gesellschaftsschichten verbreiten und so zu einer allgemeinen Verbesserung der Konsum- und Lebensverhältnisse beitragen.[5] Ein Beispiel hierfür ist die Verbreitung von Baumwollkleidung in Deutschland. Diese wurde zunächst im Ausland angebaut und verarbeitet. Sie musste unter hohen Aufwand und Kosten importiert werden, sodass sie für niedere Gesellschaftsschichten nicht erhältlich waren. Erst durch den technologischen Fortschritt der Industrialisierung konnte im größeren Maße und kosteneffizienter produziert werden, was zur Verbreitung von Baumwollkleidung führte.
Ernst Engel (1821–1896) war ab 1860 Direktor des Königlich Preußischen Statistischen Büros und beschäftigte sich vor allem mit Statistiken zum Konsum und zur Demographie. Das von ihm aufgestellte Gesetz beschreibt eine Gesetzmäßigkeit, wonach der Anteil des Einkommens, den ein Privathaushalt für die Ernährung ausgibt, mit steigendem Einkommen sinkt.[6] Dieses überschüssige Einkommen steht dann zum Konsum und damit zur Befriedigung von über die Grundbedürfnisse hinausgehende Bedürfnisse zur Verfügung.
Die Soziologie beobachtet eine gesellschaftliche Neubewertung des Konsums in der Moderne: Während er in vormodernen Zeiten noch überwiegend verurteilt wurde und Sparsamkeit als hohe Tugend galt, wurde er ab Anfang des 20. Jahrhunderts allmählich immer positiver konnotiert.[7] Mit dem Aufkommen des Neoliberalismus ab den 1980er Jahren wurde der Konsument in den Industrienationen zum „Held der Stunde“[8] stilisiert, der durch seine Ausgaben und das Aufnehmen von Krediten Wirtschaftswachstum garantiere. Daher wurden politische Entscheidungen (etwa im Thatcherismus) vermehrt darauf ausgerichtet, den Individuen möglichst alle Konsummöglichkeiten offen zu halten.[8]
In einer Konsumkultur können die meisten Menschen ihre Grundbedürfnisse ohne Probleme decken. Der Kauf von Produkten dient damit nicht mehr nur dem eigenen Überleben, sondern wird auch als ein Ausdruck von Freiheit gesehen und kann ein Mittel zur sozialen Abgrenzung darstellen.[9] Der Akt des Auswählens erhält damit eine höhere Bedeutung als das ausgewählte Gut selbst.[10] Zudem eröffnet sich für die Individuen die Möglichkeit, ihre eigene Identität über den Konsum bestimmter Waren zu definieren, die dann als Statussymbole dienen. In der heutigen Zeit wird daher häufig versucht, die eigene Einzigartigkeit durch ein einzigartiges Konsumverhalten zu betonen.[11]
Kritisch wird zuweilen angemerkt, dass die ständige Ermöglichung aller erdenklichen Konsummöglichkeiten zu einem Verlust der Affektkontrolle führe. Laut Philipp Lepenies geht in aktuellen Konsumgesellschaften das Verständnis dafür, nicht immer das zu dürfen, was man gerade möchte, verloren.[12] Die aktuell häufig zu vernehmende Ablehnung von Verboten als vermeintliche Beschneidung individueller Freiheiten sei hierfür ein gutes Beispiel.[13]
In der Kunst spiegelte sich die Konsumgesellschaft u. a. in der Pop-Art wider, die die Erscheinungen der alltäglichen Konsumwelt thematisiert und abbildet bzw. mit vorgefundenen fertigen Objekten (etwa als Readymades) arbeitet. Sie kritisiert die Erscheinungen der bunten Warenwelt nicht notgedrungen – zum Teil ist zunächst uneindeutig, ob sie das ironisiert, kritisiert oder ob Arbeiten der Pop-Art sogar affirmativ wirken. Künstler wie Andy Warhol kritisierten die Konsumgesellschaft nicht, sie bejahten hemmungslos, teils grotesk:
„Als ich mal viel Geld hatte, bin ich sofort losgeschossen und habe meinen ersten Farbfernseher gekauft. Die Werbung für den ‚strahlenden Möbelglanz’ in schwarzweiß machte mich verrückt. Ich dachte, wenn ich die Werbung in Farbe sähe, würde vielleicht alles neu aussehen und ich bekäme wieder mehr Lust zum Einkaufen.“